Donnerstag, 25. August 2016

Tag 3: Sturovo bis Budapest

Nachtrag zum Vortag:

Gestern bekam ich noch eine E-Mail von einer Bekannten. Mein Handy wurde anscheinend gefunden. Derjenige hat sie angerufen und auf slowakisch irgendetwas versucht zu erklären. Deutsch konnte er nicht, englisch auch nicht. Er sprach immer wieder von der Slowakischen Republik und von irgendeiner Nummer und Adresse (??). Sie dachte, mir wäre etwas passiert und ist zur Polizei gegangen. Dann kam ihr allerdings die Idee, in den Blog zu schauen und stellte fest, dass ich mein Handy verloren habe. Alle weiteren Versuche, ihn anzurufen oder per SMS bzw. whatsapp zu erreichen, schlugen fehl. Und ich versuchte ebenfalls ihn anzurufen. Bzw. mein eigenes Handy anzurufen. Da meldet sich nur noch die Box. Akku leer, vermute ich.

Nachtrag zum Nachtrag zum Vortag:

Ich hab gerade meine E-Mails abgerufen. Er hat sich bei meiner Bekannten noch einmal gemeldet und die Nachricht, dass er das Handy an meine Tochter schicken soll, erhalten! Ich hoffe, er macht das auch! Ich hab jetzt seine Telefonnummer! Ich hab ihn von der Rezeption aus angerufen. Soweit ich verstanden habe, hat er das Handy bei der Polizei in Komarno abgegeben. Das ist jetzt 160 km entfernt von mir. Und ob das stimmt, weiß ich auch nicht. Ich hab da angerufen, mehrmals sogar. Ich bekomm immer nur die Antwort "please call 112". Also hab ich mir eine Email-Adresse herausgesucht und denen auf Englisch und auf Slowakisch (über ein Übersetzungsprogramm) gemailt. Meine Hoffnung schwindet wieder :-(


Sturovo bis Budapest:

Ich kann's ja nicht lassen. Ich hab mir schon wieder ein Abenteuer gegönnt :-) Gestartet bin ich pünktlich um 8 Uhr bei angenehmen 17 °C. Ich habe ja in Sturovo übernachtet (linkes Donauufer - Slowakei). Der offizielle Donauradweg verläuft dort das rechte Donauufer entlang. Das heißt durch Esztergom (Ungarn). Ich hätte also nur über die Brücke fahren müssen, um dort die Donau entlang zu fahren. Diese Strecke kannte ich aber schon. Außerdem muss man von Esztergom aus nach ca. 20 km ohnehin mit der Fähre zum linken Donauufer nach Szob wechseln. Also dachte ich mir, das spar ich mir, ich fahr von Sturovo gleich auf der linken Seite weiter und bin ab Szob auf dem offiziellen Donauradweg.

Diese 20 km hatten es aber in sich!!!!

Aus Sturovo raus fuhr ich auf der Straße, das war die leichte Übung. Aber dann ging's auf einen Feldweg und ich rumpelte bis Chlaba dahin. Chlaba bescherte mir ein kurzes Asphaltvergnügen, aber nachdem ich die Ortschaft verlassen hatte, war ich nur noch auf einem Pfad unterwegs, der teilweise gar nicht mehr sichtbar war. Weia ... Zurück? Nein, ich bin doch schon so weit gefahren. Ich mag nimmer zurück. Soooo weit ist das ja nicht mehr bis Szob. Schlimmstenfalls schiebe ich mein Rad. 

Also folgte ich so gut es ging den immer wieder verschwindenden Spuren, kämpfte mich durch Furchen, Gatsch und Pfützen. Teilweise teilten sich die Spuren. Dank Navi wusste ich aber immer, welche der Spuren die richtige war. Ich hatte die Route ja berechnet und aufs Navi übertragen! Auf dieser Strecke wäre ich ohne Navi aufgeschmissen gewesen! Teilweise musste ich auch durch tiefe Pfützen fahren. Meine Schuhe wurden ein paarmal nass. Einige Male stieg ich dann doch ab und schob das Rad am Rand einer Pfütze entlang. Ich weiß nicht, woher diese vielen Pfützen kamen. Hat es in letzter Zeit dort so viel geregnet? Oder ist das dort Überschwemmungsgebiet? Ich fuhr ein ganzes Stück den Ipoly entlang, einen Nebenfluss der Donau, der gleichzeitig Grenzfluss zwischen der Slowakei und Ungarn ist. Wahrscheinlich war ich im Niemandsland unterwegs.

Dann stand ich vor einer Eisenbahnbrücke. Und ich wusste, ich muss da drüber. Das ist mein Grenzübergang. Auf Google Earth und Openstreetmap hatte das alles sehr einfach ausgesehen. Aber vor Ort hatte ich im ersten Moment keine Ahnung, wie ich da raufkommen soll. Da war dichter Urwald, unter der Brücke eine riesige Pfütze. Ich ließ zuerst mein Rad stehen und erkundete die Umgebung zu Fuß. Und dann sah ich wirklich einen verwilderten Pfad, der auf die Brücke führte! Also runter mit den Packtaschen, Fahrrad raufschieben (das war steil bergauf), Packtaschen holen und wieder montieren. Und ich war oben!!!! Nachdem ich mein Rad von Gestrüpp, Ästen und Grashalmen befreit hatte, konnte ich die Brücke bzw. Grenze nach Ungarn passieren! Weitere 1,5 km noch auf einem Pfad, und ich erreichte Szob. HURRA!!!! Ich hab mich sooooo gefreut, die Donau zu sehen und einen asphaltierten Radweg unter mir zu haben!!!

Danach ging's auf bekanntem Radweg entlang der Donau weiter. Ich hatte den ungarischen Donauradweg gar nicht so gut in Erinnerung! Aber wahrscheinlich kam mir, nachdem ich gestern Vormittag und heute Früh dermaßen unwegsames Gelände überwunden hatte, jeder Weg, auf dem man schneller als 8 km/h fahren kann, wie ein toller Radweg vor :-)

Man fährt ab Szob die ganze Zeit die Donau entlang, immer auf einem Radweg. Einfach toll! Ich kam durch Nagymaros und hatte einen schönen Blick auf die Burg von Visegrad auf der anderen Seite der Donau. Bis Vac fuhr ich die mir gut bekannte Strecke. Ich könnte hier Fotos von meiner Tour Wien-Budapest reinstellen. Ich hab sie allerdings nicht auf diesem Laptop gespeichert, daher nachträglich.

In Vac wollte ich die Fähre nach Tahitotfalu nehmen, verpasste sie aber nur um ein paar Minuten. Die nächste Fähre wäre erst eine 3/4 Stunde später gekommen. Also fuhr ich auf der linken Donauseite weiter. In Göd kommt ja noch eimal eine Fähre. Bis Göd fuhr ich auf einem traumhaft schönen Radweg durchs Grüne. Viel Schatten (obwohl mir die Sonne heute auch keine Probleme bereitet hätte; es hatte ja angenehme Temperaturen). In Göd machte ich Mittagespause, hatte aber keine Forint. Euro nimmt hier anscheinend keiner. Also suchte ich zuerst eine Bank. Bank fand ich keine, dafür aber einen Bankomaten. Auch gut.

In Göd beschloss ich, auf der linken Seite der Donau zu bleiben. Ich muss in Budapest ohnehin auf die linke Seite. Und ich hab nimmer weit. Die Strecke von Göd bis Budapest ist allerdings nicht gerade prickelnd. Kurz nach Göd war es aus mit dem Donauradweg und ich musste auf die Hauptstraße. In Dunakeszi konnte ich zumindest auf dem Radweg neben der Straße fahren, danach ging's wieder auf die Hauptstraße.

Um 13 Uhr 50 war ich schließlich in Budapest. Allerdings noch lange nicht im Hotel! Ab der Ortstafel von Budapest konnte ich zumindest ein paar km lang einen Radweg oder den Gehsteig neben der Straße nutzen. Aber bald war es vorbei mit Radwegen und Gehsteig. Ich fuhr zwar lange neben dem Wasser, aber auf der normalen Straße, weil es keinen Radweg gibt. Die Einfahrt nach Budapest und auch die Fahrt entlang der Donau durch die Stadt ist auf der anderen Seite angenehmer.

Genau hier kam ich heute auf dem Weg aus Budapest raus wieder vorbei:


Mein Hotel hatte ich so gebucht, dass ich durch Budapest noch durchfahre und in der Nähe des Donauradweges bleibe. Das Hotel fand ich ganz leicht. Ich bin hier in Dunaharaszti nahe der Rackevei Duna, einem Nebenfluss der Donau.

Gesamtstrecke 99,90 km
Zeit in Bewegung 5 h 26'
Gesamtzeit 8 h 04'
wieder angenehme Temperatur mit 26-29 °C (in der Früh: 17 °C)


Summe aller Steigungen: nicht der Rede wert
Höhe Sturovo: 106 m ü NHN
Höhe Budapest/Dunaharaszti: 97 m ü NHN

4 Kommentare:

  1. Hai Gaby,
    Count Down -7. Dein Nachtrag zum Nachtrag vom Nachtrag stimmt ja zuversichtlich, dass die ärgerliche Situation von gestern vielleicht ja doch noch ein glückliches Ende findet.
    Das Hochdruckgebiet über Wien hat wieder +30° gebracht. Morgen werde ich das angekündigte Paket abholen und somit ist alles zum Transfer bereit.
    Deine Offroad-Abenteuer riechen nach viel Dreck und Schwitzen. Ich wünsche dir möglichst viel Asphalt, keinen Gegenwind und eine Mindest-Reise-Geschwindigkeit von 15 km/h !
    Gute Fahrt und Servus die Wadln - Günter

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  2. Der Blog ist total spannend zu lesen, man wartet schon darauf, was hinter der nächsten Kurve passieren wird:)auf manche Abenteuer könnte man aber sicher auch gerne verzichten, wie z.B. das Handy verlieren und ihm dann hinterher zu telefonieren... Viel Glück weiterhin!!!

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    1. Auf die Geschichte mit dem Handy hätte ich wirklich verzichten können. Danke für's Glückwünschen!

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  3. Ich drück dir die Daumen, dass du und dein Handy bald wieder vereint seid. Also für die nächste Tour kannst du jetzt neben den physischen Vorbereitungen auch ein paar Sprachkurse nehmen, man weiß ja nie ;)
    Also wenn ich das so lese, wie du dir beinhart immer die schwierigste (oder wie du es nennst, die abenteuerlichste) Strecke aussuchst muss ich echt bangen, dass alles gut geht. Teil dir bitte deine Kräfte ein, du bist ja noch am Anfang! Toi toi toi weiterhin!
    Alena

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